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Angesichts der geopolitischen Umwälzungen durch den Krieg in der Ukraine und die globale Aufrüstung appelliert der französische Präsident Emmanuel Macron an die Rüstungsindustrie, ihre Produktion zu steigern und zu beschleunigen. Diesen Aufruf machte er bei der Grundsteinlegung einer neuen Munitionsfabrik in Bergerac, Südwestfrankreich, deutlich.

„Wir stehen dauerhaft vor einem geopolitischen und geostrategischen Wandel, in dem die Verteidigungsindustrien eine zunehmend wichtige Rolle spielen werden“, so Macron. Er betonte die Dringlichkeit, schnell und umfassend zu handeln, um eine „Kriegswirtschaft“ zu etablieren und die Ukraine weiterhin gegen Russland zu unterstützen.


Ein neues Kapitel in der französischen Rüstungsproduktion

Mit der neuen Anlage des europäischen Marktführers für Pulver und Sprengstoffe, Eurenco, soll ab Anfang 2025 jährlich 1.200 Tonnen Treibladungspulver für Artilleriegeschosse produziert werden. Dies markiert eine Kehrtwende in der französischen Rüstungspolitik, da die Produktion dieser entscheidenden Komponente, die 2007 mangels Aufträgen eingestellt wurde, nun relokalisiert wird.

Bestellungen im Wert von 1,2 Milliarden Euro

Die Bestellungen bei Eurenco laufen nun bis 2030 und haben in den letzten sechs Monaten ein Volumen von 1,2 Milliarden Euro erreicht. Dieser Aufschwung ist teilweise der Konflikt in der Ukraine geschuldet, der eine erhöhte Nachfrage nach Rüstungsgütern ausgelöst hat.

Wiederaufbau der Bombenproduktion in Frankreich

Auch die Fertigung von 250-Kilo-Bombenkörpern wird nach Frankreich zurückverlagert. Aresia, ein Unternehmen, das diese Bomben produziert, hat angekündigt, bereits in der Produktion für zwei Exportverträge zu sein, die mehrere hundert Bomben umfassen.

Europäische Solidarität und Produktionssteigerung

Die Aufrüstungsbemühungen stehen im Kontext der europäischen Sicherheit. „Ein russischer Sieg wäre das Ende der europäischen Sicherheit“, warnte Macron. Frankreich hat für 2023 Rüstungsaufträge im Wert von 20 Milliarden Euro erteilt, ein Drittel mehr als in den Vorjahren, und verzeichnet einen Anstieg der Exportaufträge.

Auch Deutschland setzt auf eine verstärkte Rüstungsproduktion. Kanzler Olaf Scholz forderte eine „großangelegte“ Waffenproduktion in Europa, um die Ukraine zu unterstützen, und legte den Grundstein für eine neue Munitionsfabrik von Rheinmetall.

Die verstärkte militärische Unterstützung für die Ukraine wird immer dringlicher, da Präsident Volodymyr Zelensky vor einer Niederlage warnt, sollte nicht mehr Hilfe geleistet werden. Währenddessen bleibt eine zugesagte amerikanische Hilfe von 60 Milliarden Dollar durch Präsident Joe Biden im Kongress blockiert.

Macrons Forderung nach einem nachhaltigen und verstärkten Engagement der Rüstungsindustrie spiegelt die Notwendigkeit wider, auf die sich ändernden globalen Sicherheitsanforderungen zu reagieren und gleichzeitig die europäische Verteidigungsfähigkeit zu stärken.


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