Überforderte Pariser Krankenhäuser könnten bald gezwungen sein, Patienten abzuweisen, da die Covid-Fälle immer mehr zunehmen

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Die Auslastung der Krankenhäuser und Intensivstationen liegt in manchen Regionen bereits bei über 100%. Das Gesundheitsministerium erwartet eine weitere Zunahme de Belastung.

Die Pariser Krankenhäuser nähern sich schnell ihrem Sättigungsgrad wegen der steigenden Zahl von Covid-Patienten und könnten gezwungen sein, kranke Menschen abzuweisen, warnten Spitzenbeamte am Sonntag.

“Es gibt ein Gefühl der Wut, sich in einer Situation wiederzufinden, die einen dazu zwingt, Katastrophenmedizin zu betreiben”, sagte der leitende Beamte der Pariser Krankenhäuser, Remi Salomon. “In 10 Tagen, 15 Tagen oder drei Wochen könnten wir überfordert sein”, sagte er dem Nachrichtensender BFMTV und plädierte für einen neuen Lockdown, auch für Schulen.

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Ebenfalls am Sonntag unterzeichneten 41 Leiter von Intensivstationen einen offenen Brief mit den Worten: “Wir können nicht schweigen, ohne den hippokratischen Eid zu verraten, den wir einst abgelegt haben.” In dem Brief, der in der Wochenzeitung Journal du Dimanche veröffentlicht wurde, hieß es, dass sie sich darauf vorbereiten, Entscheidungen treffen zu müssen, welche Patienten Zugang zur Intensivstation erhalten sollen.

“Diese Triage wird alle Patienten betreffen, Covid und Nicht-Covid, insbesondere für den Zugang erwachsener Patienten zur Intensivpflege”, schrieben sie. Die Ärzte schrieben, sie hätten “noch nie eine solche Situation erlebt, nicht einmal während der schlimmsten Terror-Angriffe der letzten Jahre”. Und sie merkten an, dass solche Selektionen bereits begonnen hätten, weil Krankenhäuser gezwungen seien, chirurgische Eingriffe zu verschieben.

“Solche Verschiebungen werden sich in den kommenden Tagen noch vermehren, nur lebenswichtige Notfälle werden möglich bleiben”, warnten sie.

Später am Sonntag traf sich Gesundheitsminister Olivier Véran mit Verantwortlichen und sagte, er sei sich “der Auswirkungen auf die Intensivstationen bewusst und möchte sie maximal beschränken, um solche schrecklichen Entscheidungen für die Ärzte zu vermeiden”, so ein Mitglied seines Teams.

Die Regierung müsse möglicherweise bald “zusätzliche Maßnahmen” ergreifen, sagte eine Quelle gegenüber der Agentur AFP.

In der Tageszeitung Le Monde forderten neun Intensiv-Ärzte in einem Meinungsartikel mehr Verantwortung von der Exekutive: “Indem sie das Pflegepersonal entscheiden lässt, welcher Patient leben und welcher sterben soll, drückt sich die Regierung auf heuchlerische Weise vor der Verantwortung”.

“Es ist an der Zeit, dass die Exekutive klar und öffentlich die gesundheitlichen Konsequenzen ihrer politischen Entscheidungen übernimmt.”

Salomon sagte in seinem BFMTV-Interview voraus, dass der Druck auf die Krankenhäuser dank der Impfaktion wahrscheinlich im Mai oder Juni nachlassen wird, während er hinzufügte, dass die dritte Welle in Frankreich “die heftigste sein könnte… aber wahrscheinlich die letzte”. Die regionale Pariser Gesundheitsbehörde ARS forderte die Krankenhäuser auf, mindestens 2.200 Betten für Covid-Patienten zur Verfügung zu stellen.

Das bisherige Ziel von 1.800 Betten wird voraussichtlich bereits in wenigen Tage überschritten werden.

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