“Unsere Patienten wollen ihn nicht mehr, wir schmeißen die Dosen weg”: Hausärzte stehen dem Widerstand gegen den AstraZeneca-Impfstoff ratlos gegenüber

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AstraZeneca-Impfdosen werden weggeworfen, da Ärzte keine Patienten mehr finden, die sich damit impfen lasen wollen.

Diese Woche markierte einen Wendepunkt, der das endgültige Todesurteil für den von AstraZeneca entwickelten Impfstoff in Frankreich bedeuten könnte. Zwischen erhöhtem Misstrauen und der zunehmenden Möglichkeit, dank des Öffnung der Vaccinodrome den Impfstoff von Pfizer verabreicht zu bekommen, wenden sich die Patienten massenhaft von AstraZenica ab, zum großen Unmut der Allgemeinmediziner, die gezwungen sind, Dosen wegzuwerfen, weil es keine Abnehmer gibt.

Als er am Mittwoch, dem 7. April, auf den Impfplan schaut, den er mit viel Zeitaufwand vorbereitet hatte, konnte Dr. Mathé, der in Colomiers (Haute-Garonne) arbeitet, nur den Kopf schütteln: Von den 20 Namen, die er ursprünglich eingetragen hatte, waren nur noch 4 übrig. Der Allgemeinmediziner erhielt nur eine Flasche mit AstraZeneca von den zwei, auf die er gehofft hatte, aber das macht nichts. Das ist nicht mehr das Problem. Sechs seiner Patienten hatten allein am letzten Tag abgesagt.

“Die wollen AstraZeneca nicht mehr”, resümiert der Praktiker, der trotz der Wartelisten auf Anhieb keine Ersatzkandidaten gefunden hat. Schweren Herzens musste der Arzt beschließen, dien Menge von etwa sechs bis acht Dosen wegzuwerfen, während andere Länder darunter leiden, dass sie nicht genug haben. Aber wie könnte es anders sein? Er versteht seine Patienten. “Die meisten von ihnen gehören zur gleichen Zielgruppe wie der Impfstoff von Pfizer, der jetzt massenhaft in den grossen Impfzentren verteilt wird. Termine sind immer leichter zu bekommen. Sie ziehen es also vor, zu wählen.”

“Wir sollten nicht überrascht sein.”
“Offensichtlich”, schimpft Dr. Jérôme Marty in Fronton (Haute-Garonne), der die Regierung in der Verantwortung sieht. “Wir sprechen ständig über diesen Impfstoff und säen Verwirrung, aber haben wir jemals eine Kommunikationskampagne gesehen, die das Nutzen-Risiko-Verhältnis von AstraZeneca oder von Impfstoffen im Allgemeinen ins rechte Licht rückt? Nein, stattdessen sahen wir eine Oma, die ihre Enkelkinder traf. Wir sollten also nicht überrascht sein”, sagt der Allgemeinmediziner. An diesem Donnerstag erlebt er, wie zwei Drittel der Patienten, die einen Termin für eine Impfung bei ihm vereinbart hatten, im letzten Moment absagten. Auch er war gezwungen, seine restlichen Dosen zu entsorgen.

Die schlechte Presse, die “Vaxzevria” (der neue Name des von AstraZeneca entwickelten Impfstoffs) seit seiner Einführung erhalten hat – und immer noch erhält – erklärt teilweise dieses Ergebnis. Aber nicht nur das. “Heute habe ich auch Kunden, die absagen, weil sie sich schon vor einigen Tagen, einigen Wochen bei mir angemeldet hatten, aber nach der Öffnung der Vaccinodrome wurden sie mittlerweile schon woanders geimpft”, erzählt Jean-Marie Guillermin, ein Apotheker in Toulouse.

Probleme bei der Lieferung, das ist das Argument, das von der Regierung vorgebracht wird, um den signifikanten Rückgang des Anteils der Patienten zu erklären, denen Vaxzevria in den letzten Tagen verabreicht wurde. Ein Argument, das Dr. Marty zwar hört, aber nur zum Teil glaubt. “Es ist klar, dass es Versorgungsprobleme gibt, aber es gibt auch ein offensichtliches Misstrauen, das dürfen wir nicht vergessen.” Dr. Mathé ist sich ebenfalls sicher: “Einige meiner Patienten haben mir klar gesagt, dass sie in ihren 60ern sind, und innerhalb weniger Tage wissen sie, dass sie für Pfizer in Frage kommen. Sie warten lieber, als ein Risiko einzugehen. Zumal die Zeitspanne zwischen der ersten und der zweiten Injektion bei Pfizer dreimal kürzer ist (vier Wochen gegenüber zwölf bei Vaxzevria), so dass trotz einer längeren Wartezeit auf die erste Injektion mit Pfizer es trotzdem möglich ist, schneller vollständig immunisiert zu sein.”

“Überlassen wir es denen, die es wissen”
“Das Wichtigste ist, dass jeder so schnell wie möglich geimpft wird”, fasst Apotheker Jean-Marie Guillermin zusammen. Aber er ist überzeugt, dass nicht alles getan wird, um dies so effizient wie möglich zu erreichen. Diese Meinung wird von Dr. Marty geteilt. “Warum fangen wir nicht an, Hausärzte und Apotheker mit Pfizer-Dosen zu versorgen, mit denen wir die Impfzentren überschwemmen?”, fragt sich der praktische Arzt. “Man sagt uns, dass die Lieferung aufgrund von Lagerproblemen nicht einfach zu organisieren ist. Aber überlassen wir das denen, die es wissen. Wenn die Regierung nicht weiß, wie sie liefern soll, sollte Amazon es wissen”, sagt der Allgemeinmediziner, der “die Impfstoffe von Pfizer zu den Patienten bringen will und nicht umgekehrt, wie es heute mit den Impfzentren gemacht wird.

Jean-Marie Guillermin ist der gleichen Meinung. “Wir rühmen uns, dass wir mehr als 400.000 Injektionen pro Tag durchführen. Und das ist in der Tat sehr gut. Aber wir vergessen wahrscheinlich diejenigen, deren Mobilität eingeschränkt und für die es nicht möglich ist, ein Impfzentrum aufzusuchen”, gibt der Apotheker zu bedenken.

Wenn alle Arztpraxen und Apotheken genügend Impfdosen von BioNTech/Pfizer hätten, würde die Zahl der Geimpften viel schneller steigen, das ist sicher. Und einiges von dem Schlamassel, der sich anbahnt, könnte vielleicht vermieden werden.

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