Auf dem Weg zu einer vierten Welle? Der wissenschaftliche Rat ist besorgt über einen riskanten Sommer

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Die Zahl der Ansteckungen und der Patienten in Krankenhäusern sinkt immer noch deutlich, wenn auch etwas langsamer.

Der wissenschaftliche Rat befürchtet eine vierte Ansteckungswelle in Frankreich, wenn die Behörden auf zu frühe und zu schnelle Lockerungen setzen. Viele Epidemiologen weisen darauf hin, dass die Zahl der Ansteckungen nicht schnell genug abnimmt.

“Die Epidemie bleibt auf einem immer noch hohen Niveau, höher als das, das eine Woche vor der Aufhebung des zweiten Lockdowns im Dezember beobachtet wurde”, bemerkt Santé publique France, 12 Tage vor dem von der Exekutive festgelegten Datum für die Öffnung von Gastro-Aussenbereichen, vielen Geschäften und kulturellen Einrichtungen. Nach mehr als sechs Monaten wechselnder Lockdowns erscheint die Öffnung jetzt “wünschenswert und sogar notwendig”, aber “ein übereilter Ausstieg” aus den Beschränkungen könnte “das Auftreten einer möglichen vierten Welle im Sommer 2021 verursachen”, warnte am Freitag der wissenschaftliche Rat, der eigentlich die Entscheidungen der Regierung leiten soll.

Für das von Jean-François Delfraissy geleitete Gremium muss der Zeitplan “zwingend” von “Gesundheitsindikatoren” begleitet werden, während Emmanuel Macron nur die Möglichkeit erwähnt hat, “Notbremsen” in den Departements zu aktivieren, die eine Inzidenzrate von 400 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschreiten würden. Der wissenschaftliche Rat legt die Messlatte viel niedriger: “die kommenden Monate werden viel überschaubarer sein”, wenn sich die Viruszirkulation während der Lockerungsperiode auf “eine Inzidenz von weniger als 100”, “oder 10.000 neuen Fällen pro Tag” stabilisiert. Derzeit ist das Land gerade mal unter 20.000 neue Fälle pro Tag gefallen, das erste Mal seit Ende Februar.

15.000 tägliche Infektionen bis 19. Mai
Die Regierung rechnet mit einem Ziel von 15.000 täglichen Infektionen bis zum 19. Mai – aber ist das auch wirklich ausreichend? “Die Epidemie geht um 20 bis 25% pro Woche zurück. In zwei Wochen sollten wir irgendwo zwischen 10.000 und 15.000 Fällen pro Tag liegen, was uns erlaubt, die Kontrolle über die Epidemie dank des Systems ‘testen, vorbeugen, schützen’ wiederzuerlangen”, hatte der Gesundheitsminister Olivier Véran vor den Kameras von Sciences Po TV erklärt.

Wenn jede Woche die Zahl der infizierten Personen um 20% abnimmt, würde Frankreich innerhalb von zwei Wochen am 19. Mai durchschnittlich nur noch etwa 13.350 neue Fälle pro Tag verzeichnen.

Wir wären auch dann noch weit von den 10.000 durchschnittlichen Fällen entfernt, die der wissenschaftliche Rat empfiehlt, abzuwarten. Zumal in Frankreich die große Maschinerie der Lockerungen bereits angelaufen ist: Cafés und Restaurants dürfen am 9. Juni wieder öffnen (Tische mit maximal 6 Personen), am 30. Juni folgt dann die totale Aufhebung der Ausgangssperre.

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