Covid-19: Hat Frankreich die zweite Welle besser gemeistert als seine europäischen Nachbarn, wie Jean Castex behauptet?

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Covid-19-Statistik
Die Zahl der Ansteckungen ist in Frankreich in den letzten Tagen deutlich angestiegen, die Auslastung der Krankenhäuser bleibt stabil, obwohl die Einweisungen in Intensivstationen zugenommen haben.

Heute gehört Frankreich zu den Musterschülern Europas, denn es ist gelungen, die Zahl der Ansteckungen drastisch zu reduzieren. Aber andere Länder haben sogar noch besser abgeschnitten als Frankreich.

Vor der Bekanntgabe der schlechten Nachrichten lobte Jean Castex auf seiner Pressekonferenz am Donnerstag, 10. Dezember, mit grossem Stolz den in den letzten Wochen beobachteten Rückgang der Ansteckungen. “In Frankreich wird die Epidemie im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn jetzt besser kontrolliert”, freute sich der Premierminister. Aber ist diese Aussage richtig?

Nachdem Frankreich Anfang November mit mehr als 820 Kontaminationen pro Tag und Million Einwohner einen Höchststand erreicht hatte, kann man in der Tat stolz darauf sein, diese Zahl in nur einem Monat durch 4,5 geteilt zu haben. Eine Entwicklung, die Frankreich eindeutig zu den guten Schülern des Kontinents macht, aber es gehört nicht nicht zu den besten.

Irland und Spanien sind besser
Die Inzidenz-Kurven zeigen, dass Irland, das erste Land in Europa, das seine Bevölkerung in einen Lockdown geschickt hat, die Pandemie bisher am besten unter Kontrolle zu haben scheint. Dublin sticht mit Ansteckungszahlen hervor, die zu den niedrigsten in ganz Europa gehören: nur 300 Fälle in 24 Stunden nach der letzten Bewertung durch die Behörden, eine Zahl, die weit entfernt ist von den mehr als 13.000 Fällen, die am Donnerstagabend in Frankreich registriert wurden.

Spanien, dessen Regierung sich Ende Oktober geweigert hatte, einen zweiten Lockdown zu verhängen und gleichzeitig eine Ausgangssperre auf seinem gesamten Staatsgebiet von 23.00 bis 6.00 Uhr verhängt hatte, weist im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl ebenfalls eine geringere Zahl von Ansteckungen auf als Frankreich. Über sieben Tage geglättet, hatte Spanien am 10. Dezember 135 Fälle pro Million Einwohner, verglichen mit 178 in Frankreich.

Vor allem im Gegensatz zu Spanien, wo sich der Rückgang fortzusetzen scheint, stagniert die Zahl der neuen Fälle in Frankreich seit Anfang Dezember. Bis hin zu Befürchtungen, dass die Pandemie in den kommenden Tagen oder Wochen wieder aufflammen könnte, wie der Premierminister und der Gesundheitsminister am Donnerstagabend warnten.

In mehreren Ländern steht erneute Welle kurz vor dem Anfang
Frankreich ist bei weitem nicht das einzige Land in Europa, in dem die Zahl der Fälle stagniert oder wieder zunimmt. Tatsächlich scheint die Pandemie in mehreren Ländern wieder zu beginnen. Dies ist insbesondere in Deutschland der Fall. Nach einer Stagnation während des gesamten Novembers ist die Zahl der Kontaminationen dort in den letzten Tagen wieder angestiegen. Das Land verzeichnete am Donnerstag einen neuen Rekord mit mehr als 600 Toten in 24 Stunden, und Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte am Mittwoch eine Verschärfung des “sanften” Lockdowns.

Der gleiche Aufwärtstrend beginnt sich auch im Vereinigten Königreich, in der Schweiz und mehr noch in den Niederlanden abzuzeichnen. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sagte am Donnerstag, er sei “besonders besorgt” über den Anstieg der Fälle in London und im Südosten Großbritanniens und kündigte eine Kampagne zur Untersuchung junger Menschen in den am schlimmsten betroffenen Gebieten an.


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