Delta Plus-Variante: Was ist dieser neue Coronavirus-Stamm, der inzwischen auch in Frankreich entdeckt wurde?

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Diese Variante, die aus einer Mutation der Delta-Variante resultiert, stellt laut dem letzten Bericht von Santé publique France nur eine winzige Minderheit der in Frankreich sequenzierten Tests dar. Sie wird aber von den Behörden unter Beobachtung gestellt, weil sie möglicherweise resistenter gegen Antikörper ist.

Die Sommersaison ist in Europa durch die Ausbreitung der Delta-Variante bedroht, die 40 bis 60% ansteckender ist als die Alpha-Variante (die in Großbritannien auftrat). Die Delta-Variante, die zuerst in Indien identifiziert wurde, macht laut Gesundheitsminister Olivier Véran derzeit 20% der neu entdeckten Fälle von Covid-19 in Frankreich aus. Bis Ende August wird sie sich auf dem Alten Kontinent durchsetzen, warnte die europäische Sektion der WHO am 1. Juli. Zusätzlich zu diesem mutierten Stamm könnte nun eine weitere Variante, die Delta Plus-Variante, die auch bereits in mehreren europäischen Ländern entdeckt wurde, für Unruhe sorgen.

Wie unterscheidet sie sich Delta-Plus von der Delta-Variante, aus der sie stammt?

Sie entstand auch in Indien und wird von den dortigen Behörden als “besorgniserregend” eingestuft
Dieser neue Stamm wurde seit Frühjahr in Europa und Indien sequenziert und im Juni bei mehreren Infizierten in Indien gefunden, einem Land, das im April von einer tödlichen Welle durch die Delta-Variante heimgesucht wurde. Die Identifizierung einiger Fälle dieses neuen Stammes, der Delta Plus genannt wird, hat schnell die Besorgnis der indischen Gesundheitsbehörden geweckt, die dadurch ein erneutes Aufflammen der Epidemie befürchten. Die neue Mutation wurde bisher bei nur 48 Menschen entdeckt, die mit der Delta-Variante infiziert waren, von mehr als 45.000 untersuchten Proben, allerdings in drei Staaten des Indiens: Maharashtra, Kerala und Madhya Pradesh.

Trotz des noch seltenen Auftretens wurde die Variante Delta plus am 22. Juni von der indischen Regierung als “besorgniserregend” eingestuft.

Nach Angaben von Insacog, einem Konsortium von 28 dem indischen Gesundheitsministerium angeschlossenen Laboratorien, ist die Delta Plus-Variante übertragbarer, hat eine größere Fähigkeit, sich an Lungenzellen anzuheften und ist resistenter gegen monoklonale Antikörper. Diese Erkenntnisse sind jedoch noch nicht durch konsolidierte Studien belegt. “Wir können nur raten, alles stammt aus einer Pressemitteilung des indischen Gesundheitsministeriums”, sagte Mircea Sofonea, Dozent für Epidemiologie und Evolution von Infektionskrankheiten an der Universität Montpellier, auf France Culture.

Die Variante trägt eine Mutation der Beta-Variante in sich
Dieser neue Stamm des Sars-CoV-2-Virus gehört zur Abstammungslinie der Delta-Variante, die Ende 2020 in Indien identifiziert wurde. Er trägt die charakteristischen Mutationen dieser Variante, aber auch eine Mutation namens K417N. Die Entdeckung dieser zusätzlichen Mutation durch Wissenschaftler hat zur Benennung einer neuen Variante geführt, die von Epidemiologen AY1 und von Behörden Delta Plus genannt wird.

Diese K417N-Mutation ist an sich nicht neu: Sie wurde bereits in der Beta-Variante identifiziert, die Ende 2020 erstmals in Südafrika entdeckt wurde. Auf der Ebene der genetischen Sequenz, die das Spike-Protein kodiert, das es dem Virus ermöglicht, in die Zellen des menschlichen Körpers einzudringen, wäre sie für eine größere Resistenz verantwortlich. Das heißt, diese Mutation würde es dem Virus ermöglichen, leichter den Antikörpern zu entkommen, die der Körper nach einer Infektion oder einer Impfung bildet.

In ersten Untersuchungen waren die Covid-19-Impfstoffe trotz dieser Mutation immer noch wirksam, aber einige waren deutlich weniger wirksam gegen diesen Virusstamm. “Wir haben es mit einer Delta-Variante zu tun, die möglicherweise auch eine Immun-Escape-Kapazität hat, denn diese Mutation wurde bereits in der Beta-Variante gefunden, die früher als ‘South African’ bekannt war”, fasst Epidemiologe Mircea Sofonea zusammen. Das Adverb “möglicherweise” ist hier wichtig, da wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau wissen, wie es um die Variante Delta Plus bestellt ist. Es werden jedoch Studien durchgeführt, um den Schutz durch Impfstoffe gegen diese neue Variante zu bewerten.

Sie wird weltweit überwacht
Vorerst bleibt die Delta Plus-Variante, auch aufgrund ihrer geringen Verbreitung, von der WHO als “Variante von Interesse” gekennzeichnet und wurde nicht zu einer “besorgniserregenden Variante” hochgestuft. Der neue Stamm repräsentiert “nur einen kleinen Bruchteil der Delta-Sequenzen”, die in den analysierten Sars-CoV-2-Genomen identifiziert wurden, so die Organisation.

Der neue Stamm ist schon in mehreren Ländern auf der ganzen Welt vertreten, darunter Frankreich, Großbritannien und Portugal, allerdings in einem sehr geringen Anteil: Laut der Outbreak-Website, die die Verbreitung verschiedener Stämme des Virus aus der Gisaid-Datenbank visualisiert, machte diese Variante mit Stand vom 4. Juli weniger als 1% der Tests aus, die in den Ländern sequenziert wurden, in denen sie nachgewiesen wurde. Außer in Nepal, dort machte sie bereits 7% aus. In Frankreich wird laut dem neuesten Risikoanalysebericht von Santé publique France vom 30. Juni die AY1-Linie, die der Delta-Plus-Variante entspricht, bisher nur “sporadisch entdeckt” mit 8 Fällen aus mehr als 53.000 analysierten Sequenzen, so die Daten der virologischen Datenbank Gisaid. Es ist allerdings zu beachten, dass die Dunkelziffer sich von den offiziellen Zahlen sehr deutlich unterscheiden kann.

Die Tatsache, dass eine Variante mutiert ist, ist nicht neu; auch die Alpha- und Beta-Varianten haben neue Stämme des Virus hervorgebracht, die sich aber nicht durchgesetzt haben. Es gibt bisher keine Anzeichen dafür, dass die Delta Plus-Variante ihren Cousin, die Delta-Variante, überholen wird. “Im Moment fehlen uns noch Daten, daher ist es noch etwas zu früh, die Delta Plus-Variante als ‘bedenkliche Variante’ auf globaler Ebene zu deklarieren”, erklärt Mircea Sofonea. “Die Delta-Plus-Variante ist fast identisch mit der Delta-Variante”, betonte Anurag Agrawal, Direktor des Genomforschungsinstituts CSIR-IGIB in Neu-Delhi, am 23. Juni im indischen Fernsehsender CNBC-TV18 und versicherte: “Das ‘Plus’ bedeutet nicht unbedingt, dass sie gefährlicher ist als Delta.”


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