In Frankreich lässt der Lockdown Befürchtungen eines neuen Aufflammens häuslicher Gewalt aufkommen

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Nach einem im Frühjahr beobachteten starken Anstieg befürchten französische Verbände einen erneuten Anstieg der häuslichen Gewalt während des zweiten Lockdowns zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie. Es wurden erneut Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen mobilisiert.

Am Freitag, dem 30. Oktober, wurde in Frankreich erneut ein Lockdown dekretiert, und damit steigt auch wieder die Angst vor einem erneuten Ausbruch häuslicher Gewalt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte im vergangenen Frühjahr bis zu 60% mehr Notrufe in Europa verzeichnet. Ein Trend, den auch die Notfalltelefone im Land beobachten konnten: So verzeichnete der Dienst 3919 während des ersten Lockdowns zwischen dem 16. März und dem 11. Mai 44.235 Anrufe, wie aus dem Ende Juli von der Interministeriellen Mission zum Schutz weiblicher Gewaltopfer und zur Bekämpfung des Menschenhandels (MIPROF) veröffentlichten Bericht hervorgeht. Dies ist ein beträchtlicher Sprung, gemessen den 96.000 Anrufen im gesamten Jahr 2019…

Gleichzeitig war während des ersten Lockdowns ein 30%iger Anstieg der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt zu verzeichnen. “Wir haben gesehen, dass die Frauen aus dieser Zeit sehr geschädigt hervorgegangen sind. Die Spannungen nahmen während des Lockdowns zu und führten zu schwerwiegenden Handlungen. Heute erwarten wir leider wieder eine Zunahme solcher Gewalt. Wir werden also auf den Erfahrungen des letzten Frühjahrs aufbauen und sehen, wie wir unsere Massnahmen anpassen können”, sagte Françoise Brié, Direktorin des nationalen Frauensolidaritätsbundes (FNSF), gegenüber France 24.

“Zur Flucht braucht man keine Bescheinigung”

Wachsamkeit bleibe “unerlässlich”, um neue Tragödien zu vermeiden, betont die Sprecherin des Verbandes. Und dies, auch wenn die Einschränkungen weniger streng sind als zur Zeit des ersten Lockdowns. “Die Gewaltopfer haben jetzt mehr Möglichkeiten, ihre Häuser zu verlassen als im März: Die Schulen bleiben geöffnet, ebenso die Büros der Verbände. Sie sollten also nicht zögern, aus dem Haus zu fliehen, wenn sie in Gefahr sind, 3919 anzurufen oder in ihrer Nähe um Hilfe zu bitten”, betont Brié und fügt hinzu: “Selbst wenn wir nicht völlig eingesperrt sind, ist es keine leichte Zeit für Frauen”.


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