Mit Gesundheitspass keine Masken – inmitten der Offensive der Delta-Variante

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Laut Gesundheitsminister Olivier Véran wird das Tragen einer Maske an Orten, an denen der Gesundheitspass vorgeschrieben ist, nicht mehr Pflicht sein. Diese Ankündigung kommt zu einer Zeit, in der die Zahl der Ansteckungen im ganzen Land stark ansteigt.

Die Delta-Variante setzt ihren galoppierenden Vormarsch fort und verursachte am Dienstag, 20. Juli, eine Explosion der Ansteckungen, mit mehr als 18.000 Fällen in 24 Stunden. An Orten, die der Nutzung des Gesundheitspasses unterliegen, wie z.B. Kinos, Museen und Sporteinrichtungen, wird das Tragen von Masken jedoch nicht mehr verpflichtend sein.

“Wo es den Gesundheitspass” gegen Covid-19 gibt, werden die Menschen “in der Lage sein, die Maske zu entfernen”, sagte auf RTL der Minister für Gesundheit Olivier Véran, noch vor dem Beginn der Lesung des Gesetzes im Parlament.

Ihm zufolge ist die Maske nicht mehr erforderlich, weil der Gesundheitspass impliziert, “dass wir sicher sind, dass alle Personen vollständig geimpft sind oder einen sehr aktuellen Test haben, der negativ ist”.

“Das Tragen einer Maske kann jedoch vom Präfekten des Departements vorgeschrieben werden, wenn die örtlichen Gegebenheiten dies rechtfertigen, sowie vom jeweiligen Betreiber oder dem Veranstalter”, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Dekret, das diese Maßnahme offiziell macht.

Das Dekret regelt auch, dass ab sofort der Gesundheitspass auf Orte mit einer Kapazität ab 50 Personen (im Vergleich zu 1.000 vorher) ausgeweitet wird. der Gesundheitspass wird nun ab Mittwoch in allen kulturellen Einrichtungen (Kinos, Museen, Theatern usw.) erforderlich sein.

Anders als die Besucher müssen Angestellte, die an Orten arbeiten, die dem Gesundheitspass unterliegen, ihre Masken bis auf Weiteres aufbehalten, legte das Arbeitsministerium fest.

Die Epidemiologin Dominique Costagliola hat von der Maßnahme “mit Erstaunen” erfahren.

“Das ist eine schlechte Idee”, sagte sie auf France Inter. “Wir sollten mit allen Mitteln versuchen, diese Epidemie zu bekämpfen und nicht bestimmte Maßnahmen abschaffen, wenn andere eingeführt werden.”

Der Präsident des Hohen Rates für Volksgesundheit, Franck Chauvin, vertritt ebenfalls die Ansicht, dass bei strengen Kontrollen “das Restrisiko sehr gering ist und somit das Risiko einer Ansteckung oder sogar das Risiko von schweren Fällen im Zusammenhang mit diesen Ansteckungen sogar extrem gering ist.

Die Entdeckung eines Clusters von 81 positiven Fällen nach drei Techno-Partys, die Mitte Juli in einem Club in Bordeaux stattfanden, ließ jedoch Zweifel an der Wirksamkeit der Kontrollen aufkommen.

Angefacht von der Delta-Variante, die ansteckender ist, bricht die Epidemie in Frankreich wieder aus, und zwar so sehr, dass die Exekutive nun von einer vierten Welle spricht.

“Gestern hatten wir 18.000 Infektionen in nur 24 Stunden”, meldete Olivier Véran.

“Wir haben einen Anstieg der Verbreitung des Virus von etwa 150% innerhalb nur einer Woche: Das haben wir noch nie erlebt, nicht mit dem ursprünglichen Covid, nicht mit der englischen Variante, nicht mit der südafrikanischen, nicht mit der brasilianischen”, fuhr der Gesundheitsminister fort.

Mancherorts haben die lokalen Behörden beschlossen, die Maske auch draußen wieder zur Pflicht zu machen, wie zum Beispiel in der Region Toulouse.

Die Regierung befürchtet, dass die Zunahme der Fälle, die im Moment vor allem junge Menschen betrifft, schließlich auch auf ältere oder gebrechliche Menschen übergreift, die nicht geimpft wurden, und zu einer Zunahme der Krankenhauseinweisungen führt.

Diese Verschlechterung führte dazu, dass Emmanuel Macron am 12. Juli mit seinen Ankündigungen versuchte, die Impfung zu beschleunigen: Pflichtimpfung für Mitarbeiter des Gesundheitswesens und Ausweitung des Gesundheitspasses (der einen vollständigen Impfschutz, einen kürzlich durchgeführten negativen Test oder eine Impfung bescheinigt) auf Cafés, Restaurants oder Züge ab August.

Die Regierung muss noch genau festlegen, wie diese Maßnahme auf Einkaufszentren angewendet werden soll. Sie erwägt, die Anwendung des Gesundheitspasses auf solche Einkaufszentren zu beschränken, die größer als 20.000m2 sind, und gleichzeitig den Zugang zu lebenswichtigen Gütern zu garantieren, wie es der Staatsrat am Montag forderte.

Diese Maßnahmen sollen in dem Gesetz umgesetzt werden, das Ende der Woche verabschiedet werden soll.

Die Nutzung des Gesundheitspasses für Minderjährige zwischen 12 und 18 Jahren soll um einen weiteren Monat – bis zum 30. September – verschoben werden.

Emmanuel Macron mit seiner Ankündigung dieser Maßnahmen die Impfung tatsächlich deutlich beschleunigt, aber auch die Ressentiments der Hardliner unter den Covid-Skeptikern und Impfgegnern verstärkt. Todesdrohungen gegen Abgeordnete führten zur Eröffnung einer Untersuchung durch die Pariser Staatsanwaltschaft.

Das Ziel der Regierung von 40 Millionen Erstimpfungen könnte bereits Ende Juli erreicht werden, einen Monat früher als ursprünglich geplant, sagte Premierminister Jean Castex gestern vor der Nationalversammlung.

Im Verhältnis zu seiner Bevölkerung liegt Frankreich auf Platz 6 von 27 in der Europäischen Union (hinter Irland, Dänemark, Schweden, Portugal und Spanien), was die Anzahl der in der vergangenen Woche verabreichten Erstdosen angeht.

Auch nach dieser jüngsten Beschleunigung der Impfkampagne liegt Frankreich mit 56% seiner Bevölkerung, die bisher mindestens eine Dosis erhalten haben, lediglich im EU-Durchschnitt.


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