Tag & Nacht

Fünf Tage nach dem Angriff der Hamas auf Israel sprach Emmanuel Macron am Donnerstagabend im französischen Fernsehen. Der Staatschef rief die Franzosen dazu auf, „vereint“ zu bleiben, und verurteilte einje „Entfesselung absoluter Grausamkeit“ der Hamas gegen den jüdischen Staat.

Emmanuel Macron versprach am Donnerstag, dem 12. Oktober, in einer feierlichen Ansprache, „alles zu tun“, um die französischen Geiseln zu retten, deren Familien ihn zuvor angefleht hatten, einzugreifen, und beschwor die Einheit der Nation angesichts der politischen Spannungen und des Risikos, den Konflikt nach Frankreich zu importieren.

„Israel hat am Samstag den tragischsten Terroranschlag seiner Geschichte erlebt“, sagte Macron in seiner Fernsehansprache an die Franzosen. „Hunderte von Säuglingen, Kindern, Frauen und Männern wurden gejagt, entführt, ermordet, als Geiseln genommen. Massaker in einem Kibbuz. Ganze Dörfer wurden dezimiert“, zählte der französische Präsident mit ernstem Unterton auf.

Der Angriff der palästinensischen islamistischen Bewegung, die den Gazastreifen kontrolliert, forderte bisher schon mehr als 1.200 Todesopfer, darunter nach einer neuen Bilanz auch 13 Franzosen. Macron gab an, dass auch vier französische Kinder unter den Vermissten seien und dass Frankreich „Verhandlungskanäle“ eingerichtet habe, um auf ihre Freilassung hinzuwirken. Die Antiterrorismus-Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen zu den französischen Opfern eingeleitet.

In Tel Aviv hatten kurz zuvor französische Familien von Geiseln während einer Pressekonferenz an Frankreich appelliert. „Ich flehe Emmanuel Macron an, uns zu helfen, es liegt in Ihren Händen. Ich will meine Schwester zurückhaben (…)“, hatte etwa die Französin Meitav Journo gerufen.

„Frankreich setzt an der Seite der israelischen Behörden und mit unseren Partnern alles daran, damit die Geiseln sicher zurückkehren können“, antwortete der Präsident.

Ein erster Sonderflug der Air France zur Rückführung von 377 Franzosen aus Israel traf am Abend von Tel Aviv aus in Paris ein. Weitere Flüge sind für Freitag und Samstag geplant. Außenministerin Catherine Colonna begrüßte die Heimkehrer am Flughafen Roissy und kündigte an, dass sie am Sonntag nach Israel reisen werde.

Emmanuel Macron vertrat in seiner Rede die Ansicht, dass die Antwort des jüdischen Staates „stark und gerecht, stark, weil gerecht“ sein müsse. Er sprach von dem Recht Israels, die Hamas zu „eliminieren“, aber „durch gezielte Aktionen“ und „unter Wahrung der Sicherheit der Zivilbevölkerung“.

Angesichts des Terrorismus „darf es nie ein ‚Ja, aber‘ geben“, so der Staatschef weiter. Seiner Ansicht nach „begehen diejenigen, die die palästinensische Sache mit einer Rechtfertigung des Terrorismus verwechseln, einen moralischen, politischen und strategischen Fehler“.

Macron rief die Franzosen dazu auf, „vereint“ zu bleiben, und versprach, „unbarmherzig gegenüber allen Trägern des Hasses“ zu sein.

Innenminister Gérald Darmanin gab am Donnerstag bekannt, dass man seit Samstag „mehr als hundert antisemitische Vorfälle“ gezählt habe.

Darmanin ordnete ein Verbot von „pro-palästinensischen Demonstrationen an, da sie wahrscheinlich zu Störungen der öffentlichen Ordnung führen“ könnten und versprach die Festnahme der „Organisatoren“ und „Unruhestifter“.

Mehrere Tausend Menschen demonstrierten dennoch am Abend auf dem Place de la République in Paris und skandierten „Terrorist Israel“ und „Befreit Palästina“.


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